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Einführung Pfarrerin Held

„Mit den Händen singen“

Kann man ein Lied singen, ohne einen einzigen Ton von sich zu geben? „Mit Hilfe von Gebärden geht das ganz wunderbar,“ sagt Julia Held. Beim Erlernen der Deutschen Gebärdensprache hat sie gelernt, ihre Hände und Arme und ihre Mimik als sprachliches Ausdrucksmittel zu gebrauchen. Der 41-jährigen Pfarrerin merkt man ihre Begeisterung für diese Form des Singens an.

Seit acht Monaten ist die 41-jährige mit einer halben Stelle Pfarrerin für Gehörlosenseelsorge in den Evangelischen Dekanaten Wetterau, Büdinger Land und Hochtaunus. Außerdem ist sie mit einer Viertelstelle Gefängnisseelsorgerin in Butzbach. Am Sonntag wurde sie in der Friedberger Stadtkirche von Dekan Volkhard Guth offiziell in ihr Amt eingeführt.

Julia Held beherrscht die Deutsche Gebärdensprache natürlich nicht nur, um zu singen. Die gehörlosen oder schwerhörigen Menschen, die zu ihrer Gemeinde gehören, verständigen sich meisten gebärdend. Zu dieser Sprache gehört eine eigene Kultur und Einstellung, erklärt Held. „Leider gibt es keine international einheitliche Gebärdensprache,“ bedauert die Seelsorgerin. Gerade für gehörlose Flüchtlinge oder Kinder ausländischer Eltern, sei es so schwer, sich zu integrieren. Jüngere hörgeschädigte Menschen werden heute schon sehr früh mit Implantaten versorgt, so dass die meisten eine gewisse Hörfähigkeit erreichen. Damit gerät die Vermittlung der Gebärdensprache auch schulisch immer mehr in den Hintergrund, bemerkt Held.

Nicht hören zu können, kann einsam machen

Das Büro der Gehörlosenseelsorge ist im Erasmus-Alberus-Haus in Friedberg. Julia Held macht verschiedene Angebote für schwerhörige oder gehörlose Menschen. Es sei wichtig, einen Raum für Begegnung zu schaffen, denn nichts zu hören könne sehr schnell einsam machen, sagt Held. Der Alltag stelle Gehörlose vor viele unüberwindliche Hindernisse, beispielsweise bei Behördengängen oder Arztbesuchen. Trotzdem definieren sich Gehörlose nicht über ihr fehlendes Hörvermögen. Sie sehen sich vielmehr als sprachliche und kulturelle Minderheit – als Menschen, die in Gebärdensprache kommunizieren und sich einer damit verbundenen eigenen Kultur zugehörig fühlen.

In ihrer Predigt nahm die Theologin die Begriffe Bibel, Gnade, Glaube und Christus in den Blick. „Diese Begriffe hatten nicht nur für Martin Luther besondere Bedeutung, sondern auch für uns Christen heute,“ sagte Held. Dekan Volkhard Guth beschrieb Julia Held als besonders kommunikative Persönlichkeit und gute Pfarrerin. Sie ist in Wiesbaden-Bierstadt geboren und war bereits als Jugendliche in der Kirche engagiert. Sie studierte Theologie in Frankfurt, Marburg und Mainz und absolvierte ihr Vikariat in Mainz. Nach einer Zeit als Gemeindepfarrerin in den Kirchengemeinden Laisa und Berghofen in der Nähe von Marburg war Held zuletzt Pfarrerin der Gemeinde in Gießen-Allendorf. Sie lebt in Gießen und hat drei Kinder zwischen 9 und 5 Jahren. Dass Julia Held nach acht Monaten fleißigen Lernens die Gebärdensprache beherrscht, freut die Menschen ihrer Gemeinde ganz besonders. Gerne schlossen sie sich Dekan Guths Wunsch an, sie möge der Gehörlosen- und Gefängnisseelsorge lange erhalten bleiben. Egal ob mit Worten oder Gebärden: Julia Held ist mit der Gabe ausgestattet, Menschen für die christliche Botschaft zu begeistern.


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