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Kontemplationsgruppe

Eine kleine Kontemplationsgruppe praktiziert jeden Donnerstag die gegenstandsfreie Meditation im Gemeinderaum. Das heißt, dass wir uns einfach in die Stille versenken und den Alltagslärm abebben lassen, so dass all die Gedanken und Sorgen, die um das eigene Ich kreisen, allmählich zur Ruhe kommen.

Die Gruppe freut sich über neue Mitsitzende, die sich bitte an Elisabeth Müller wenden können, um eine kurze Einführung in die Kontemplation zu erhalten.

Tel. 06031- 162032

Treffen: Donnerstags von 19.30 bis 21.00

 

 

Was ist eigentlich Kontemplation?

alle fünf Weltreligionen haben neben ihrer theologischen und institutionellen Form auch eine mystische Ausprägung. Zen und Yoga kennen wir aus den östlichen Religionen, und inzwischen sind sie bei uns weit verbreitete und beliebte Zugänge zur inneren oder Körperweisheit. Aber auch das Christentum hat seit jeher neben dem Glaubensweg einen Erfahrungsweg, der durch Versenkung und Innenschau praktiziert wird. Die ersten Anleitungen dazu wurden uns von den Wüstenvätern und Wüstenmüttern aus dem 4. nachchristlichen Jahrhundert überliefert, so erläuterte Evagrius Pontikus (+ 399) seinerzeit: „Das Gebet verlangt Freisein von jedem Gedanken“ (zitiert nach: Kleine Philokalia, Benziger Verlag). Diese frühen Meditierenden unserer Tradition saßen mitunter tagelang schweigend auf ihren Reisigbündeln. Später wird Meister Eckhart, einer der bekanntesten Mystiker im deutschsprachigen Raum sagen: „Der Mensch soll sich nicht genügen lassen an einen gedachten Gott, denn wenn der Gedanke vergeht, so vergeht auch der Gott“. Aber auch die beiden Spanier Johannes vom Kreuz, der den Weg ins eigene Innere als Aufstieg auf einen Berg beschreibt, und Theresa von Avila mit ihren geistigen Lehren zur Reifung der Seele, die sie mit einem Lustgarten oder einer inneren Burg vergleicht, sind zwei herausragende Namen christlicher Meditierender, die uns wertvolle geistige Erkenntnisse hinterlassen haben. Wenn die Seele in der Meditation Raum bekommt, indem die Gedanken und Gefühle zur Ruhe gebracht werden, geht von dort eine ganzheitliche Persönlichkeitsentwicklung aus, so beschreibt schon Theresa von Avila im 16. Jahrhundert einen Prozess, dem sich inzwischen überall auf der Welt zahlreiche Menschen widmen. Während die christliche Mystik einen starken Rückschlag durch die Inquisition erlebte, kannten die mystischen Zweige östlicher Religionen eine ungebrochene Tradition. Suchende, die eine große Sehnsucht nach Religion im wörtlichen Sinne von Re-ligio, also Rückbindung an etwas Größeres, Göttliches, haben, und all diejenigen, die in den institutionalisierten Kirchen keine Antworten mehr auf ihre Lebensfragen finden, haben sich daher häufig diesen Traditionen angeschlossen.

Inzwischen gibt es aber erfolgreiche Bestrebungen, auch die mystischen Wurzeln des Christentums in der Institution Kirche neu zu beleben, und wir kennen Angebote zu Exerzitien, Meditation oder Körpergebet. Ganze Schulen widmen sich der Lehre und Verbreitung der Kontemplation. Zum besseren Verständnis, sei der Begriff noch einmal näher beleuchtet. Kontemplation kommt aus dem Lateinischen, „contemplare“ heißt „schauen“ und meint in diesem Zusammenhang nicht das Meditieren über einen Inhalt oder die Betrachtung eines Textes oder Bildes, sondern eine gegenstandsfreie Versenkung in den Augenblick, das „Schauen ins nackte Sein“, wie es in einem Standardwerk der Kontemplation, der Wolke des Nichtwissens, heißt.

Für eine bestimmte Zeit, gewöhnlich 25 Minuten, werden alle äußeren Aktivitäten und mentalen Inhalte zurückgenommen, wir sitzen einfach nur da in der Stille.

Ziel der Kontemplation ist das Schauen des Göttlichen in uns und in der Schöpfung, die Erfahrung des NADA, Nichts, wie Johannes vom Kreuz den transrationalen Raum nannte, in den er durch die Versenkung vorstieß. Geschieht dies, so ist es immer Gnade, wir können es nicht „machen“. Wir können uns aber auf den Weg begeben und versuchen wegzuräumen, was zwischen uns und Gott steht. Letztlich ist das unsere eigentliche Aufgabe als Mensch. Dass wir uns auf einen Prozess einlassen, bei dem wir unser kleines „Ich“, das uns immer wieder im Weg ist, das uns und anderen manchmal erheblichen Schaden zufügt, loslassen und uns rückbinden an Gott. Es geht darum, uns dem Göttlichen immer mehr zu öffnen und es in uns wirken zu lassen. Es geht um die Erkenntnis, dass es nichts Anderes gibt, als nur dieses eine göttliche Sein.

Elisabeth Müller
Kontemplationslehrerin der Linie Wolke des Nichtwissens

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